Eisblumen in Mexiko

Fotos und Text Markus Mathys

Wir schreiben den 5. Januar 2002, soeben angekommen aus Zürich hat mich die trostlose, trockene Landschaft von El Paso im US- Bundesstaat Texas, unweit der mexikanischen Grenze. Die Sonne brennt gnadenlos auf die Dächer der Wüstenstadt El wie mein Blick am ersten Tag meiner Reise zum Fenster hinaus gleitet. 11 Monate Lateinamerika stehen an, konnte es kaum erwarten, wieder auf reisen zu sein. Viele spannende Geschichten werden zweifellos auf mich warten. Reisen heisst, alle Tage was neues erleben, staunen über das Andere, das Unbekannte. Menschen treffen, ihnen zuhören, sich einfach mal hinsetzen, um in eine fremde Welt horchen. Farbenprächtige Landschaften bestaunen, an Feste gehen, sich treiben lassen. All das ist reisen, reisen in einer anderen Welt. Somit kann es losgehen, Mexiko ich komme. Die Grenze von der Ersten in die Dritte Welt, von den USA nach Mexiko, vergleichbar mit einem Knast. Videokameras und Stacheldraht ohne Ende. Mir wird nun klar wie es für die Mexikaner sein muss, die sich hinter dieser Festung aus Stacheldraht den Reichtum der nördlichen Seite anschauen müssen. Wie viele Tote es an dieser Grenze jährlich gibt, die sich auf langen, beschwerlichen Umwegen in den endlosen Wüstengegenden verirren und verdursten, kann ich nicht sagen.


Sierra Tarahumara - Mexiko

Für viele endet hier der Traum von einem besseren Leben im Norden. Von Ciudad de Juarez in Mexiko, erscheinen die prunkvollen Hochhäuser in El Paso auf der US- Seite zum berühren nah und doch sind sie so unerreichbar weit weg. Juarez selbst hat nicht viel zu bieten, eine Stadt mit vielen Problemen, Kriminalität, Drogenhandel und Prostitution beherrschen das Bild hier.


Sierra Tarahumara - Mexiko

In den Strassen ist ein Berufsstand in schier unglaublichem Masse vertreten, wohin man auch schaut Zahnärzte. Hunderte, ja wahrscheinlich sind es tausende. Dies nicht weil Mexikaner, Mexikanerinnen eingeschlossen, extrem viel süsses zu sich nehmen. Der Grund liegt beim Nachbar im Norden, es scheint als würde sich halb USA die Zähne machen lassen hier gleich nach der Grenze, da es in Mexiko viel billiger ist. Waren es früher die Apachen die hier einfielen, ist es heute ein Heer von US-Amerikanern mit einem Loch im Zahn, wie sich doch die Zeiten ändern im Laufe der Zeit. Mein erstes Ziel in Mexiko ist das kleine Bergstättchen Creel, benannt nach einem Gouverneur. Über Chihuahua, der Bundeshauptstadt des Grössten mexikanischen Bundesstaates, übrigens eine der besten Adressen für mexikanische Cowboyhüte, wird Creel in den Bergen erreicht. Die Gegend um Creel gehört zu einer der ärmsten Mexikos. Die Folgen des Alkoholismus und der Arbeitslosigkeit zeichnen das harte Bergland der Sierra Tarahumara, wie das Gebirge hier heisst. Creel auf 2300 m. ü. M. gelegen bringt die erste grössere Überraschung mit sich. Die Temperaturen fallen nachts zu dieser Jahreszeit im Januar nicht selten unter Null. Wie der erste Tag hier oben anbricht bringen mich die Eisblumen am Hotelfenster zum Erstaunen. Eisblumen in Mexiko, damit habe ich nicht gerechnet, was sich auch am Vorrat an Winterkleidern im Rucksack zeigt. Der Grund weshalb jedoch viele nach Creel kommen liegt nicht an den Eisblumen im Winter, sondern an der Landschaft rund um das Dorf. Wenn es den Wilden Westen, wie wir ihn vom Kino her kenne noch gibt, dann mit Sicherheit hier in der Sierra Tarahumara. Da zum Wilden Westen bekanntlich Pferde gehören ist dass, das Erste worum ich mich bemühe. Diese zu finden fällt nicht schwer und so kann der Traum vom reiten im Wilden Westen in Erfüllung gehen.


"Mein" Pferd in Mexiko

Die Landschaften, die sich öffnen hat man Creel verlassen, einzigartig in ihrer Form und Aussehen. Das dürre gelb-braune Gras, das auf den ersten Regen nach der Trockenzeit wartet. Die in Gruppen stehenden Eichen und Föhren, geben der Landschaft den romantischen Hauch des Wilden Westens, wie man ihn sich nicht reeller vorstellen kann. Mein Vierbeiner trabt ruhig durch Durch Flüsse mit klarem, kaltem Wasser, über bewaldete Berghänge, vorbei an bizarren Felsformationen, hinab in weite Täler. Der weisse, grosse Sombrero auf meinem Kopf schützt vor der Sonne, die auch im mexikanischen Winter tagsüber erbarmungslos vom Himmel brennt. Keine Strasse, kein Auto, nichts was auf Zivilisation hin schliessen lässt, ist zu sehen. Eine andere Welt, laut muss ich gestehen, ja es gibt in wirklich den Wilden Westen, Nicht in den USA, nein in Mexiko ist er noch am leben.


Tarahumara Mädchen / Mexiko

Das einzige was auf menschliche Anwesenheit schliessen lässt sind einfachste Bretterhütten, meist ohne Kamin. Bewohnt durch die Tarahumaras, wie sich die Urbevölkerung hier nennt. Die Indianer, als die sie nicht angesprochen werden möchten. Im Einklang mit der Natur leben sie hier in kaminlosen Bretterhütten. Das bisschen Land- und Viehwirtschaft ermöglicht ihnen ein äusserst hartes, zähes Überleben. Die Hütten stehen vereinzelt, meist in der Nähe eines Flusses, wo es Wasser gibt. Die Pferde sind unglaublich robust und trittsicher. Was es erlaubt felsige, steile Pfade zu bereiten. So vergehen einzigartig, unvergessliche Tage mit Reitausflügen hier im Norden von Mexiko, die wohl für immer in Gedanken verankert bleiben werden.


Wild West pur!!