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Familie Mathys kennt das Leben auf zwei Kontinenten

Im März 2002 hat Markus Mathys, damals wohnhaft in Rohrbach, dem „UE“ von seiner Liebe zu Südamerika und den Reisen, die er dorthin organisiert und begleitet, erzählt. Die Liebe zu seiner Frau Rosa hielt ihn dann in Peru fest. Er gründete eine Familie und ein Reisebüro. Nach zehn Jahren Leben in der Stadt Lima ist er nun mit seiner Familie in die Schweiz „rückgewandert“.

Von Berty Anliker im Januar 2015

Mathys Reiseveranstalter für Südamerika in Langenthal
Foto Berty Anliker

Ein schmuckes neues Haus am Rindermattweg in Langenthal ist das neue Zuhause von Familie Mathys. Hier sind Markus und Rosa Mathys zusammen mit dem fünfjährigen Dominik und der zweieinhalb Jahre alten Aimée im Oktober letzten Jahres eingezogen. Angereist sind sie aus Lima, der Hauptstadt von Peru. Den Umzug mitgemacht hat auch das Reisebüro „Erlebnisreisen“, das Markus Mathys vor zehn Jahren in Lima gegründet hat.

Doch schauen wir vorerst einmal zurück: Aufgewachsen ist Markus Mathys in Ochlenberg. Er absolvierte eine Lehre als Forstwart bei der Burgergemeinde Herzogenbuchsee. Gleich danach packte ihn die Reiselust. Er bereiste verschiedene Länder Südamerikas und besuchte Sprachkurse dort. Sein Wunsch, sich in einem forstlichen Entwicklungsprojekt zu engagieren, liess sich nicht verwirklichen. So entschloss er sich, auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten.

Er organisierte Reisen für kleine Gruppen in Peru, Bolivien, Chile, Costa Rica und Kuba. Dabei berücksichtigte er kleine Hotels und einheimische Führer, um der ärmeren Bevölkerung einen Verdienst zu bieten. Die Reisen dauerten 15 bis 30 Tage. Man reiste in kleinen Gruppen von vier bis acht Personen mit einem kleinen Bus, zu Pferd und viel zu Fuss. Möglichst etwas abseits der grossen Touristenströme.

Ein Traum erfüllt sich
In den ersten Jahren begleitete er diese Reisen immer selbst. Dazwischen übernahm er in der Schweiz Gelegenheitsjobs, um sich über Wasser zu halten. Sein Traum war es aber, von der Organisation der Reisen leben zu können. 2004 gründete er in Lima sein eigenes Reisebüro. Im gleichen Jahr lernte er seine Frau Rosa kennen, die in Lima aufgewachsen ist. 2006 heirateten sie, die beiden Kinder kamen 2009 und 2012 zur Welt. Da Markus Mathys nun für eine Familie zu sorgen hatte, war es doppelt wichtig, dass das Reisebüro genug abwarf. Seit sieben Jahren kann er nun von dieser Tätigkeit leben, wie er es sich einst erträumt hat.

Doch etwas hatte sich verändert: Er konnte und wollte nun nicht mehr alle Reisen selbst begleiten; vor allem nicht die länger dauernden, wo er bis zu einem Monat von der Familie weg gewesen wäre. So wirkte er fortan mehr im Hintergrund als Berater und Organisator. Im Laufe der Zeit hat er sich auf die Länder Peru, Bolivien, Chile und Ecuador spezialisiert und sich damit einen Namen als Kenner von Land und Leuten gemacht. Später nahm er auch Reisen nach den Galapagos-Inseln ins Programm auf, als er feststellte, dass diese sehr gefragt sind. Die Inseln gehören zu Ecuador, liegen aber 1000 Kilometer weit im Meer draussen.

Berühmtes nicht auslassen
Einige berühmte Orte hat Markus Mathys schon viele Male mit Gästen besucht. Beispielsweise die sagenhafte Ruinenstadt Machu Picchu, die einstmals vom Volk der Inka erbaut wurde. Fast vierzig Mal war er schon dort. Langweilig werde das keineswegs, sagt der Reiseleiter: „Ich bin immer wieder sehr beeindruckt, was die Ureinwohner da erschaffen haben.“ Auch von Besuchen am Titicacasee, der 13 Mal so gross ist wie der Bodensee und auf 3800 Meter über Meer liegt, ist er stets aufs Neue begeistert. „Es gibt Sehenswürdigkeiten, die man einfach nicht auslassen darf, auch wenn man nicht unbedingt den grossen Touristenströmen folgt“, bemerkt er.

Manchmal habe auch Unvorhergesehenes bewältigt werden müssen auf diesen Reisen, erzählt Mathys. „Beispielsweise wenn Strassen durch Streiks blockiert waren. Da brauchte es Geduld.“ Und manchmal habe er nicht nur Reiseleiter, sondern auch Krankenpfleger oder Seelsorger spielen, mit Reisenden einen Arzt oder ein Spital aufsuchen müssen. Ganz schlimme Sachen seien aber zum Glück nie passiert. „Berührende, schöne Momente gab es dann, wenn sich Leute mit Tränen in den Augen verabschiedet haben, weil sie sich mit einer ganz speziellen Reise einen grosser Wunsch oder sogar ein Lebenstraum erfüllen konnten.“

Gedanken über Umzug
Das Leben in der Stadt Lima mit elf Millionen Einwohnern war für Familie Mathys auch geprägt von verschiedenen Problemen. „Die Luftverschmutzung ist dort sehr gross, die Kinder waren oft krank. Auch die fehlende Sicherheit war ein Problem, wir konnten sie nicht allein zum Spielen nach draussen lassen“, bedauert der Vater. Als dann für Sohn Dominik das Schulalter in die Nähe rückte, begannen sich seine Eltern Gedanken zu machen, über einen Umzug in die Schweiz. Vieles sprach dafür, wie etwa die höhere Lebensqualität und die bessere Schulbildung. Der einzige Wermutstropfen: Rosa Mathys musste ihre Heimat und ihre Angehörigen verlassen. Doch sie war es, die den Kindern zuliebe schlussendlich entschied: Wir machen es!

Die Schweiz war Rosa Mathys beim Umzug nicht mehr fremd. Sie hatte das Land ihres Mannes bei mehreren Besuchen schon kennen gelernt. Nach nur kurzer Zeit fühlt sie sich hier nun auch bereits wohl. Mit ihren Eltern in Lima pflegt sie regen Kontakt über Skype. Die deutsche Sprache spricht sie schon recht gut, sie will aber ihre Kenntnisse noch in Sprachkursen vertiefen. Sie möchte ihren Mann bei der Arbeit im Reisebüro unterstützen; denn sie hat schon in Peru als Sekretärin gearbeitet. Mit den Kindern Dominik und Aimée hat Markus Mathys schon immer Berndeutsch gesprochen, doch bisher haben sie ihm stets auf Spanisch geantwortet. Seit der Knabe nun den Kindergarten besucht, fängt er an, Deutsch zu sprechen.

Peru ist nicht vergessen
„So sieht jetzt also unser neues Leben aus“, sagt Markus Mathys. „Und es lässt sich gut an.“ Er hat sein Reisebüro ins neue Haus integriert, kann also zu Hause arbeiten. Im Reiseangebot „Erlebnisreisen“ hat sich nichts geändert. „Ich organisiere die Reisen wie bis anhin. In Südamerika habe ich mir ein gutes Netzwerk an Leuten aufgebaut, denen ich meine Reisegäste gerne anvertraue. Ab und zu werde ich auch noch selbst eine Reise begleiten. Beispielsweise nächsten Herbst: Da ist eine Tour auf alternativen Routen durch Peru geplant. Rosa wird diese Zeit mit den Kindern bei ihrer Familie in Lima verbringen.“