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Langenthaler Tagblatt - LT-HEADLINES

Langsam reisen, um begreifen zu können

Rohrbach Forstwart Markus Mathys zeigt Reisegruppen die Faszination Lateinamerikas. Forstwart Markus Mathys aus Rohrbach organisiert und begleitet Reisen in kleinen Gruppen in die Länder Lateinamerikas. Der Reisebegleiter und Entdecker setzt dabei auf «faires Reisen», von dem Besucher und Gastgeber (meistens einheimische Familien) gleichermassen profitieren können.

Berty Anliker

Wer langsam reist, sieht mehr.» Unter diesem Motto durchstreift Markus Mathys mit seinen Reiseteilnehmern oder ganz allein Länder wie Peru, Bolivien, Chile, Costa Rica und Kuba. Der Rohrbacher möchte damit einen alternativen Tourismus anbieten für Leute, die sich Zeit nehmen um zu sehen, zu staunen und zu begreifen. Es soll aber ein Tourismus sein, der Rücksicht nimmt auf die dort lebenden Menschen. Denn seine Meinung ist: «Reisen in ein Land der dritten Welt heisst Verantwortung übernehmen; der Tourismus kann für ein Land dieser Region nützlich, aber auch schädlich sein.» Indem er kleine Hotels, Familienunternehmen und einheimische Führer berücksichtigt, will er der ärmeren Bevölkerung Verdienstmöglichkeiten bieten. «So profitieren beide Seiten gleichermassen», ist Mathys überzeugt und nennt dies: «faires Reisen».

Fast ein Entwicklungshelfer

Markus Mathys kennt sich sehr gut aus in den Ländern Lateinamerikas. Er hat schon mehrmals während Monaten dort gelebt, hat Sprachschulen besucht und zwischendurch die verschiedenen Länder erkundet. Der eigentliche Auslöser für die Reise-Unternehmungen des gelernten Forstwartes war die Absicht, in einem forstlichen Entwicklungsprojekt in Nicaragua mitzuarbeiten. Dazu hatte er auch einen Kurs für Entwicklungshelfer in Luzern besucht. Doch schliesslich war dann doch ein Forstingenieur gefragt und er konnte nicht ins Projekt einsteigen. Da sagte er sich: «Dann gehe ich halt selbst nochmals hin und schaue, was ich tun kann.» In der Folge entstand dann die Idee mit den «langsamen» und fairen Reisen. Fasziniert war Markus Mathys bei jedem Besuch nicht nur von der abwechslungsreichen Landschaft, sondern auch immer wieder von der positiven Lebenseinstellung der in schwierigen Verhältnissen lebenden Menschen. So wurde es ihm ein Anliegen, dieser einfachen und oft armen Bevölkerung etwas unter die Arme zu greifen, indem er mit seinen Reisegruppen kleine Familienhotels berücksichtigt, wo sonst kaum jemand vorbeikommt. Damit erhalten die Reisenden zudem einen wirklichen Einblick in das Leben der Landbevölkerung. Als zusätzliche Reiseführer engagiert der Schweizer Reiseunternehmer ebenfalls Einheimische. Sie können auf vieles aufmerksam machen, was sonst nicht bemerkt würde. «Für einen guten Service bezahle ich einen fairen Preis - handeln ist dabei fast Bedingung, erst dann wird man wirklich ernst genommen», erzählt Mathys von seinen Erfahrungen.

Ein Hauch von Abenteuer

Als Abenteuer-Reisen könne man diese Unternehmungen nicht bezeichnen, aber einen Hauch davon hätten sie schon, meint Mathys . «Wir machen aber keine Trekkings, wo wir tagelang weg sind von jeder Zivilisation, höchstens einmal für eine Nacht kehren wir nicht ins Hotel mit dem gewohnten Komfort zurück», erklärt er. Die Reisen sind nicht durchorganisiert, es kann an Ort noch auf die Wünsche der Teilnehmer eingegangen werden. Selbstverständlich werden keine attraktiven und berühmten Orte ausgelassen, die man unbedingt gesehen haben muss - das Tempo ist nur etwas langsamer. Unterwegs ist man mit einem kleinen Bus oder auch zu Pferd und sehr viel zu Fuss. Die Reisegruppen sind klein: Vier bis höchstens acht Personen nimmt Mathys mit. Die Reisen dauern 15 (Kuba) bis 30 Tage (Peru, Bolivien und Chile). Im letzten Jahr begleitete Markus Mathys je eine Reise nach Costa Rica sowie nach Peru, Bolivien und Chile. Mit dabei auf der zweiten Reise war auch Theres Zaugg aus Leimiswil, zusammen mit ihrer Tochter Linda. Sie reisen gerne individuell und nicht im Massenstrom und kehrten sehr befriedigt von dieser Reise zurück. Ausser von Land und Leuten waren sie auch beeindruckt von der Organisation und der auf die Reisenden eingehenden Begleitung durch Markus Mathys . Seine nächste Reise nach Lateinamerika wird Markus Mathys jedoch ganz alleine unternehmen.

Leben auf einer Schilfinsel

Als besonderes Ziel wird der Rohrbacher die Schilfinsel Santa Maria im Titicacasee in Peru anvisieren. Er war schon einmal dort und weiss, dass auf dieser Insel - die aus Schilfballen gebaut und weit draussen im See verankert ist - etwa zehn Familien leben. «Es ist eine der ältesten Kulturen Südamerikas», sagt er. Die Existenz dieser Menschen sei stark bedroht, erzählt er weiter. Sie würden vom Fischfang und der Entenjagd leben und gelegentlich an Land im Tauschhandel Reis und Kartoffeln erwerben. Ein wichtiger Faktor wäre jedoch auch der Tourismus. Markus Mathys möchte nun eine gewisse Zeit mit diesen Leuten zusammen leben und nach Möglichkeiten sehen, wie man den Tourismus fördern und diesen Menschen helfen könnte. Er möchte auch Kleider für die Inselbewohner aus der Schweiz mitnehmen und wenn möglich Medikamente, die sie dringend brauchen.

Ein kleiner Traum

Über das Leben auf dieser Insel und das ganze Land Peru möchte Mathys schliesslich eine Dia-Schau erstellen und diese dann in der Schweiz zeigen. Und wenn noch eine Reise mit einer Gruppe anfällt, hat er auch wieder viel Vorbereitungsarbeit zu leisten. Gegenwärtig - noch bis Ende April - arbeitet Markus Mathys in seinem angestammten Beruf als Forstwart bei der Burgergemeinde Herzogenbuchsee, wo er schon seine Lehre gemacht hat und immer wieder zwischen den Reisen tätig war. Doch schon jetzt hat er einen Traum: «Mein Ziel wäre es schon, dass ich einmal von der Organisation und Begleitung der Reisen leben könnte - obwohl, wirklich reich werden kann ich davon sicher nicht», gibt er preis. Nähere Angaben über die Reisen von Markus Mathys unter www.suedamerikareisen.com